Newsletter · 4. Oktober 2026
Weekly Digest 40
AMD übernimmt Fei-Fei Lis World Labs für rund 8,2 Milliarden Dollar in Aktien, um eigene Modelle und Simulationswerkzeuge zu entwickeln, die die Nachfrage nach seinen Chips prägen. Außerdem: Tencent mietet Berichten zufolge 100.000 KI-Chips in Oracle-Rechenzentren in Südostasien, und der US-Arbeitsmarkt schafft im September nur 29.000 Stellen.

Themen, die wir verfolgen
AMD übernimmt World Labs
Quelle: AMD
AMD hat die Übernahme von World Labs für rund 8,2 Milliarden Dollar in Aktien angekündigt. Der Schritt zeigt, dass AMDs Ambitionen in der KI weiter reichen: Der Konzern will selbst Modelle und Software entwickeln, die die Nachfrage nach seiner Hardware prägen. Mit der Übernahme kommt Fei-Fei Lis Forschungsteam für räumliche Intelligenz zu AMD; Li wird Executive Vice President und Chief Scientist. Robotik und Simulation nennt AMD ausdrücklich als Gründe für den Kauf, der bis Ende 2026 abgeschlossen sein soll.
World Labs wurde aus der Überzeugung heraus gegründet, dass Sprache allein für viele Probleme in Wissenschaft, Technik und Robotik nicht ausreicht. Um sie zu lösen, braucht es Modelle, die die physische Welt abbilden und über sie schlussfolgern können. Li zufolge braucht es dafür eine engere Verzahnung mit der Hardware, um Effizienz und Skalierbarkeit zu verbessern. Schon im vergangenen Jahr begannen die beiden Unternehmen, gemeinsam Modelltraining und Inferenz auf AMD-GPUs zu optimieren.
Durch die Zusammenführung der Teams könnten Modellforschung, Software und Chipentwicklung enger ineinandergreifen. World Labs erhält Zugang zu den Entwicklungsressourcen von AMD, AMD wiederum direkten Einblick in den Rechenbedarf neuer Anwendungen. Modelle für bestehende GPUs zu optimieren, ist der Anfang; die größere Chance liegt darin, mit diesen Anforderungen die Hardware von morgen zu prägen.
Die Übernahme passt auch zu AMDs breiter angelegten Investitionen in Software. Die Plattform ROCm liefert Compiler, Bibliotheken und Entwicklungswerkzeuge, die aus den technischen Daten einer GPU echte Leistung in Anwendungen machen. Die Qualität von AMDs Software hat sich deutlich verbessert, gängige Inferenz-Frameworks werden besser unterstützt, und neue Modelle werden schneller optimiert. Wir sind zunehmend zuversichtlich, dass AMD Nvidia auch bei der Software Konkurrenz machen kann.
Im Juli übernahm World Labs SceniX, was seine Ambitionen in der Robotiksimulation unterstreicht. SceniX entwickelt Technologie, die physische Umgebungen und Interaktionen als Simulationen nachbildet, um Roboter darin zu trainieren und zu testen. Anders als für Sprachmodelle gibt es in der Robotik keinen vergleichbaren Fundus an Trainingsdaten über physische Handlungen und Interaktionen. Mit Simulationen können Entwickler Daten erzeugen, Umgebungen variieren, Aufgaben wiederholen und Fehler untersuchen, bevor sie Änderungen auf echte Maschinen übertragen.
Nvidia hat rund um diesen Prozess bereits eine breite Plattform aufgebaut. Cosmos liefert Weltmodelle, Omniverse und Isaac Sim bilden simulierte Umgebungen ab, Isaac Lab dient dem Training von Robotern, und Isaac GR00T stellt Basismodelle für Roboter bereit. Jetson Thor sorgt für die Rechenleistung an Bord, wenn die Roboter im Einsatz sind. Lange bevor ChatGPT Sprachmodelle populär machte, belieferte Nvidia über Jahre Forschungseinrichtungen und Universitäten weltweit mit GPUs und baute so Beziehungen und Fachwissen in diesen Bereichen auf.
Wir sehen in der Übernahme den Versuch von AMD, auf mehr Stufen dieser Kette mit Nvidia zu konkurrieren. Nützliche Modelle und Simulationswerkzeuge können Entwickler anziehen und die Nachfrage nach der zugrunde liegenden Rechenplattform steigern. World Labs verschafft AMD dafür eine stärkere Forschungsbasis, kann Nvidias gesamtes Ökosystem aber nicht über Nacht nachbilden. Damit sich die Vorteile des Co-Designs einstellen, braucht es neben der Spitzenforschung an Modellen auch anhaltende Investitionen in die weniger sichtbare Entwicklungsarbeit.
Chinesische Konzerne beschaffen sich mehr Rechenleistung im Ausland
Quelle: Reuters
Tencent hat sich Berichten zufolge verpflichtet, über fünf Jahre rund 7 Milliarden Dollar auszugeben, um in Rechenzentren von Oracle in Südostasien Zugang zu etwa 100.000 hochmodernen KI-Chips zu erhalten. Die Vereinbarung sieht eine Vorauszahlung von rund 30 % vor. Der Bericht stützt sich auf Personen, die mit der Vereinbarung vertraut sind; Reuters konnte die Angaben nicht unabhängig überprüfen.
Nach geltendem Recht kann ein chinesisches Unternehmen grundsätzlich ein Modell im Ausland trainieren und es im Inland einsetzen. Werden dagegen Eingaben chinesischer Nutzer oder vertrauliche Dokumente auf Servern im Ausland verarbeitet, stellen sich weitere Fragen, weil für solche Datenübermittlungen Chinas Datenschutzvorschriften greifen können. Eine pauschale Pflicht, alle inländischen Daten in China zu halten, gibt es nicht. Für personenbezogene Daten, als „wichtige Daten“ eingestufte Informationen und Daten kritischer Infrastruktur können jedoch Schutzmaßnahmen oder eine Sicherheitsprüfung nötig sein. Ein Modell im Ausland mit einem ordnungsgemäß beschafften Datensatz zu trainieren, kann daher einfacher sein, als sensible inländische Nutzerdaten im Ausland zu verarbeiten.
Für Cloud-Anbieter eröffnet sich so ein Weg, chinesische Nachfrage zu bedienen, ohne die Chips nach China zu exportieren. Beschränkungen für Hardwarelieferungen hindern chinesische Unternehmen nicht unbedingt daran, über Rechendienste im Ausland auf dieselbe Technologie zuzugreifen. Das kann die Wirkung von Exportkontrollen schwächen, die den Zugang zu fortschrittlicher Rechenleistung begrenzen sollen, und zugleich Umsätze und Infrastrukturinvestitionen zu ausländischen Anbietern lenken. Das heißt nicht, dass jede Vereinbarung erlaubt ist: Beschränkungen für bestimmte Kunden und Verwendungszwecke sowie die Auflagen von Exportlizenzen können weiterhin greifen.
Chinesische Unternehmen beziehen Rechenleistung aus vier Quellen: legal importierte Chips, geschmuggelte Hardware, im Inland hergestellte Prozessoren und im Ausland per Fernzugriff genutzte Kapazität. Eine zentrale Schätzung von ChinaTalk vom April bezifferte Chinas Rechenkapazität auf rund 2,8 Millionen H100-Äquivalente, mit einer geschätzten 90-%-Spanne von 1,8 bis 4,8 Millionen. Auf den Zugriff im Ausland entfielen rund eine Million H100-Äquivalente – die größte einzelne Kategorie der Rechnung.
Der Zugriff im Ausland ist Chinas größte einzelne Quelle für KI-Rechenleistung
Geschätzter Bestand an KI-Chips nach Quelle, H100-Äquivalente: zentrale Schätzung und 90-%-Spanne
Angebotsseitige Schätzung von ChinaTalk vom April 2026 nach Quelle: Fernzugriff im Ausland rund 1,03 Millionen H100-Äquivalente (Spanne 0,6 bis 1,8 Millionen), inländische Chips rund 0,90 Millionen (0,56 bis 1,1 Millionen), legale Importe rund 0,46 Millionen (0,40 bis 0,57 Millionen) und geschmuggelte Chips rund 0,45 Millionen (0,19 bis 1,35 Millionen). Insgesamt sind es rund 2,8 Millionen, mit einer 90-%-Spanne von 1,8 bis 4,8 Millionen.
Angebotsseitige Schätzung von ChinaTalk, April 2026. Die vier Quellen ergeben zusammen rund 2,8 Millionen H100-Äquivalente (90-%-Spanne 1,8–4,8 Millionen). Die Spannen gelten je Quelle und ergeben addiert nicht die Spanne der Summe. Neuere Schätzungen weichen je nach Quelle ab: Epoch AI beziffert geschmuggelte Chips bis Ende 2025 auf rund 660.000 (April 2026), The Substrate den Fernzugriff für 2026 auf rund 670.000 (Mai 2026).
Source: ChinaTalk, Epoch AI, The Substrate · 2026-04-07
Die Vereinbarung mit Oracle ist nicht die einzige ihrer Art. In der Vorwoche brachten Berichte ByteDance mit Rechenkapazität in Nscales Rechenzentrum im norwegischen Glomfjord in Verbindung. Ein öffentlich eingereichter Finanzierungsvertrag nennt das in Singapur ansässige Unternehmen Spring als Cloud-Kunden und beschreibt 2.304 Nvidia-B200-GPUs. Laut FT ist Spring eine Tochtergesellschaft von ByteDance.
US-Arbeitsmarkt: Weniger Neueinstellungen, Zinserhöhung bleibt im Spiel
Quelle: U.S. Bureau of Labor Statistics
Laut dem Arbeitsmarktbericht vom Freitag stieg die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft im September um 29.000, nach revidiert 133.000 im August. Zudem wurden Juli und August zusammen um 60.000 Stellen nach unten korrigiert. Damit lag der durchschnittliche monatliche Stellenzuwachs im dritten Quartal bei rund 51.000. Die Revisionen trüben das Bild vom Stellenaufbau im Sommer, selbst wenn man die Schwankungen einzelner Monatsberichte berücksichtigt.
Die Arbeitslosenquote stieg leicht von 4,1 % auf 4,2 %, blieb aber in der Spanne von 4,1 bis 4,3 %, in der sie sich seit März bewegt. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit blieb unverändert, die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen gegenüber dem Vormonat um lediglich 0,1 % und gegenüber dem Vorjahr um 3,0 %. Insgesamt passen die Zahlen zum Bild der vergangenen Monate: Es wird wenig eingestellt, aber auch wenig entlassen.
Die Arbeitsmarktdaten bleiben schwer zu deuten. Bislang zeigen sie weder einen allgemeinen Einbruch der Arbeitsnachfrage, noch lässt sich KI als Ursache für Stellenverluste in einzelnen Branchen ausmachen. Das deckt sich mit einer aktuellen Auswertung der Forschungslage von Alex Imas und Jacob Schaal. Imas, Director of AGI Economics bei Google DeepMind, und Schaal finden kaum Belege für eine breite Verdrängung von Arbeitsplätzen durch KI, auch wenn einige Studien darauf hindeuten, dass in besonders KI-exponierten Berufen weniger Berufseinsteiger eingestellt werden. Wir bleiben bei unserer Einschätzung: Dass heute kein klarer gesamtwirtschaftlicher Effekt zu sehen ist, schließt nicht aus, dass die Umwälzungen größer werden, wenn sich KI weiter verbreitet und leistungsfähiger wird.
Die unmittelbare Reaktion am Anleihemarkt war eindeutig. Die Renditen von US-Staatsanleihen fielen nach dem Arbeitsmarktbericht, weil die Erwartung einer Zinserhöhung der Fed im Oktober nachließ. Auf Polymarket sank die implizite Wahrscheinlichkeit einer Anhebung um 25 Basispunkte im Oktober von rund 26 % am Donnerstagabend auf etwa 16 % am Freitagmorgen. Für Dezember sahen die Händler weiterhin eine Wahrscheinlichkeit von rund 68 % für eine Erhöhung um 25 Basispunkte. Der Markt rechnete also eher damit, dass die nächste Straffung später kommt. Im Tagesverlauf drehten die Renditen jedoch: Zwei-, zehn- und dreißigjährige Anleihen rentierten zum Handelsschluss alle höher als am Donnerstag.
Wo der Markt jetzt steht: Quoten für den Fed-Zinsentscheid
Implizite Wahrscheinlichkeit je Ergebnis, täglich
Wo der Markt jetzt steht: Quoten für den Fed-Zinsentscheid. Sitzung im Oktober: Senkung um 50+ Bp <1 %, Senkung um 25 Bp <1 %, Keine Änderung 83 %, Anhebung um 25 Bp 17 %, Anhebung um 50+ Bp <1 %. Sitzung im Dezember: Senkung um 25 Bp 1 %, Keine Änderung 23 %, Anhebung um 25 Bp 73 %.
Live von Polymarket, alle 5 Minuten aktualisiert. Letzter Stand: 5. Okt., 14:34 UTC. Ergebnisse, die nie 5 % erreichten, sind nicht dargestellt.
Source: Polymarket
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